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	<title>Allgemein &#8211; Leni Vollmer</title>
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		<title>Hartnäckige Flecken</title>
		<link>https://www.lenivollmer.de/hartnaeckige-flecken/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Leni Vollmer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Aug 2026 19:28:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Manche Getränke hinterlassen Kopfschmerzen. Andere bleiben einfach im T-Shirt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div class="vc_row wpb_row vc_row-fluid wpex-relative"><div class="wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12"><div class="vc_column-inner"><div class="wpb_wrapper">
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			<p>Die Weißwasche ist fertig. Mal sehen, was aus dem Top der Mitteltochter geworden ist. Mitten auf der Brust breitet sich ein rostroter bis lilablauer Schatten aus. Er läuft asymmetrisch über die Kantensäume Richtung Bauch. Oder umgekehrt? Der Fleck ist jedenfalls unverändert.</p>
<p>In meinem Kopf spielt sich ein Filmchen in Zeitlupe ab. Ein großer Becher &#8211; vielleicht sogar ein halber Liter &#8211; ergießt sich auf das Kind, das kein Kind mehr ist. Oder wurde von etwas weiter weg im Eifer des Gefechts mit Schwung in ihre Richtung geleert oder konnte einfach im Gerempel nicht mehr stabilisiert werden und hat sich der Erdanziehung hingegeben. Alles Szenarien, die man schon tausendmal beobachtet hat. Und auch erlebt. In meinem Keller ist die Frage nach dem Wie aber eigentlich irrelevant. Die eigentliche Frage müsste lauten: Was hat sie sich da bloß raufgekippt.</p>
<p>„Das war KaMu“, kam als Erklärung.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>KaMu scheint etwas zu sein, das trotz Vorbehandlung und anständiger Weißwäsche hartnäckige Flecken hinterlässt. Was ist KaMu?</p>
<p>„Ach Mami, das ist Kalte Muschi“</p>
<p>„Ach so…!“</p>
<p>„Kennste nicht, ne? Das ist eine Mische aus Cola und Rotwein. Fünfzig Fünfzig.“</p>
<p>Boah…wer trinkt denn sowas…?!</p>
<p>Kurz muss ich an unseren Urlaub in Nordspanien denken, wo wir unseren Sohn auf seinem Sabbatical besucht haben. Cola-Rotwein habe ich doch schon mal gehört. Im Baskenland wurden sehr viele, sehr große Rotweingläser dekoriert mit Orangenscheiben und gefüllt mit einem braunroten Gebräu über den Tresen gereicht. Ich wollte das nicht probieren.</p>
<p>Die Basken haben die Mischung übrigens erfunden und sie in den Siebzigerjahren Kalimotxo genannt. Irgendwann haben die anderen Spanier sie auch entdeckt und das gebräuchlichere Calimocho draus gemacht. Und irgendwo auf diesem Weg hat sich wohl ein Deutscher auf die Iberische Halbinsel verirrt und die Kalte Muschi mit nach Hause gebracht.</p>
<p>Was man also so trinkt, wenn man jung ist. Jede Generation scheint ihre eigenen Getränke zu haben.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Zu meiner Zeit war Blue Curacao total in. Oder in einer Disco in Lüneburg &#8211; ja, früher hießen die Clubs noch Discos &#8211; mit dem kreativen Namen Garage, da habe ich mal einen Trash-Cocktail getrunken.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Vielleicht waren es auch zwei.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>In einem kegelförmigen Glas, ähnlich einem Martini-Glas. Nur größer. Mit einem kleinen Papierschirmchen und bunten Eiswürfeln. Der fluoreszierte sogar im Schwarzlicht. Ganz toll im Club. Und danach nicht mehr so toll im Kopf.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Später bin ich auf Bier umgestiegen. Bier hat einen entscheidenden Vorteil: Bevor man zu viel davon trinkt, schmeckt es scheußlich. Bier lässt sich für mich viel besser dosieren. Man lernt aus seinen Erfahrungen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Und immer klingeln die Worte meiner Oma in meinen Ohren: <i>Gott sieht alles</i>.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Oder auf heute übersetzt: <i>Tu nichts, wobei du nicht fotografiert werden möchtest</i>.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Kalte Muschi also. Kein Wunder, dass der Fleck nicht rausgeht. Der Fleck bedarf einer schärferen Behandlung. Das Mittelkind hat das Top schon aufgegeben.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ich aber nicht. Ich entwickele jetzt Ehrgeiz. Außerdem gibt es da noch die alte Flasche Klorex. Vielleicht schaffe ich dieses Mal die richtige Mischung zwischen Fleck weg und keine Löcher. Ich nehme die Sprühflasche, schnüffele noch mal vorsichtig, so wie ich es im Chemieunterricht gelernt habe, es riecht nach spanischer Sauberkeit, und sprühe beherzt über das Top.</p>
<p>Der Fleck verfärbt sich schlagartig rosa.</p>
<p>Na herzlichen Glückwunsch.</p>
<p>Ich werfe das Top trotzdem noch mal in die Maschine und gehe.</p>
<p>Am nächsten Morgen ist es wie von Zauberhand reinweiß. Auch gegen das Licht.</p>
<p>Keine Kalte Muschi mehr.</p>

		</div>
	</div>
</div></div></div></div>
</div>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der schönste Raum der Welt</title>
		<link>https://www.lenivollmer.de/der-schoenste-raum-der-welt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Leni Vollmer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 09:59:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Bei siebenunddreißig Grad wird ausgerechnet mein Waschkeller zum schönsten Raum der Welt]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div class="vc_row wpb_row vc_row-fluid wpex-relative"><div class="wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12"><div class="vc_column-inner"><div class="wpb_wrapper">
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			<p>&nbsp;</p>
<p>Es ist heiß.</p>
<p>In meinem Kopf singt Peter Fox in Dauerschleife.<span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span></p>
<p><i>Meine Stadt hat Fieber<br />
</i><i>Sie tropft und klebt<br />
</i><i>Wir haben schwere Glieder<br />
</i><i>Der Kopf tut weh<br />
</i><i>Wir sind wie ein alter Hund, der gerade noch steht<br />
</i><i>Wir ham’s verzockt, verbockt, der Doktor kommt zu spät</i></p>
<p>Ich gehe runter in meinen Waschkeller. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet dieser Raum mal mein absoluter Lieblingsort werden würde. Vielleicht nicht optisch, aber für den Moment auf jeden Fall temperaturtechnisch.</p>
<p>Der Raum ist musikalisch gut ausgerüstet. Ich habe ein kleines Radio hier stehen. Einen kleinen weißen Quader. Schlichtes Design. Früher stand es in der Küche. Jetzt ist es gepimpt zu einem Sonos fähigen Abspielgerät. So kann ich mit stimmungsoptimierter akustischer Untermalung meinen Wäschepflichten nachkommen.<span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span></p>
<p>Wo der Peter sich sowieso schon in mein Kopf eingenistet hat, kann ich ihn auch äußerlich schallen lassen. Vielleicht krabbelt er so angelockt irgendwann aus meinem Ohr wieder heraus und alles kühlt sich etwas ab.</p>
<p><i>Ich steh auf, leg mich gleich wieder hin<br />
</i><i>Es ist zu heiß, um es geil zu findn<br />
</i><i>Ein Schritt reicht, gleich tropft Schweiß vom Kinn<br />
</i><i>Pack mein Sack in Eis und da bleibt er drin</i></p>
<p>Im Waschkeller gibt es im Moment nicht viel zu tun. Die Wäsche erledigt sich quasi wie von selbst. Am liebsten ist mir der Moment, in dem ich die feuchte kühle Wäsche umarmen darf. Zur Zeit spare ich mir den Wäschekorb. Draußen bei Siebenunddreißig Grad trocknet die Wäsche eigentlich schon, bevor ich sie auf den Wäscheständer gehängt habe. Dabei muss ich nur aufpassen, dass ich mir nicht die Fußsohlen auf der Holzterrasse verbrenne.</p>
<p><i>Ich hab Fieber, lieg auf’m Rücken<br />
</i><i>Ich brauch Waffen für’n Krieg gegen Mücken<br />
</i><i>Ich halluziniere, hab trockenen Lippen<br />
</i><i>Und träum von Schneeflocken und Skihütten</i></p>
<p>Vielleicht suche ich mir aus dem Fundus von ungeliebten Möbelstücken, die die Kinder hier lagern, doch mal eine Sitzgelegenheit für meinen Waschkeller. Dann könnte ich im Kühlen ein Buch lesen und müsste nicht die Trommeln füllen, als Ausrede für meinen Aufenthalt hier unten.<span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span></p>
<p>Die Mangelwäsche habe ich auf den Herbst vertagt. Wenn die Temperaturen sich dem Norden wieder angemessen angepasst haben.<span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span></p>
<p>Bis dahin halte ich es wie Peter: Ich steh auf und leg mich gleich wieder hin.</p>

		</div>
	</div>
</div></div></div></div>
</div>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bezahlt ist bezahlt</title>
		<link>https://www.lenivollmer.de/bezahlt-ist-bezahlt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Leni Vollmer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jun 2026 08:45:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Alles hat seinen Preis, stellte meine Oma schon immer fest. Gerade wurde ich wieder mit aller Macht daran erinnert.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div class="vc_row wpb_row vc_row-fluid wpex-relative"><div class="wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12"><div class="vc_column-inner"><div class="wpb_wrapper">
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			<p>Gerade wurde ich wieder daran erinnert.<span class="Apple-converted-space"><br />
</span>Alles hat seinen Preis. Das stellte meine Oma auch schon fest.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ich stehe vor der Waschmaschine und räume meine Sporttasche leer. Dabei humple ich ein wenig hin und her. Der Fuß! Ich war wieder Tennisspielen.</p>
<p>Wenn also alles seinen Preis hat, dann ist der Preis für saubere Sportklamotten wohl meine Zeit, oder?</p>
<p>Na, vielleicht ist die Rechnung etwas zu kurz gedacht.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Mir fallen da noch mehr Komponenten ein. Da wäre zum Beispiel das Waschpulver. Das darf nicht fehlen. Waschpulver ist ein elementarer Bestandteil von sauberer Wäsche.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Und vielleicht Strom. Die Maschine dreht sich ja nicht von alleine. Man könnte sie vielleicht mit so einer Art Fahrradpedalen antreiben, aber ich bin weder Ingenieurin noch unterbeschäftigt. Ich verlasse mich da lieber auf den Antrieb aus der Steckdose.</p>
<p>Auch Wasser darf nicht fehlen. Nur vom Drehen der Trommel wird Sportwäsche auch nicht wieder schick. Das wäre ja ein bisschen zu einfach. Meine Oma hat ihre Wäsche schließlich auch nicht nur auf dem Waschbrett hin und her gerubbelt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Und dann ist da noch die Maschine selbst. Das Herzstück des Ganzen. Ohne Maschinen läuft nix in meinem Leben. Ich liebe Maschinen!</p>
<p>Eine Maschine muss aber irgendwo stehen. Einen Raum braucht man also auch. Mit dem Raum ist das Gebäude drumherum aber inkludiert &#8211; finde ich. Irgendwann muss auch mal Schluss sein mit der ganzen Rechnerei.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Und am Ende gibt es da noch die Kosten der Klamotten selbst.</p>
<p>Denn: ohne Wäsche keine Wäsche.</p>
<p>Und dieser Spruch hätte auch von meiner Oma kommen können. Der ist aber von mir.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Nach dieser Aufstellung beschleicht mich das Gefühl, dass meine Zeit der geringste Kostentreiber für saubere Wäsche ist.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wenn also alles seinen Preis hat, wer bestimmt ihn dann? Nicht immer ist alles eine Frage von Angebot und Nachfrage ist. Manchmal bezahlt man auch für etwas, wonach man gar nicht gefragt hat.</p>
<p>Am Wochenende habe ich mir meinen Sieg geholt. Bezahlt habe ich ihn gut. Mit einem Muskelfaseranriss beim Sprint ans Netz &#8211; im zweiten Satz, bei einem Stand von vier zu zwei. Gewonnen ist Gewonnen. Und:</p>
<p>Bezahlt ist bezahlt.</p>

		</div>
	</div>
</div></div></div></div>
</div>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Cache geleert</title>
		<link>https://www.lenivollmer.de/am-montag-im-keller/</link>
					<comments>https://www.lenivollmer.de/am-montag-im-keller/#_comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Leni Vollmer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 May 2026 08:57:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Bevor ich überhaupt loslegen kann, blinkt schon der Dampfautomat. Und das sehr hektisch.]]></description>
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			<p>Es ist Haushaltstag. Es muss Ordnung geschaffen werden. Wie es hier wieder aussieht. Alles liegt rum und mit Brille sehen die Ecken auch nicht mehr so schön aus, wie gedacht. Meine Oma würde sagen: Ihr verlottert ja. Zum Glück kennt sie meinen Waschkeller nicht.</p>
<p>Bevor ich überhaupt loslegen kann, blinkt schon der Dampfautomat. Und das sehr hektisch. Die letzten Male, die ich ihn eingeschaltet habe, hatte ich das Gefühl, er will sehr laut auf sich aufmerksam machen. Kann so ein Gerät lauter blinken, wenn es dringlicher wird? Seinen Vorgänger habe ich auf jeden Fall &#8211; und ich habe immer noch ein schlechtes Gewissen deswegen &#8211; durch Missachtung und Aufschieberitis irgendwann in den Kalktod geschickt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Aus dem armen Kerl kamen beim Dampfen schon ganze Steine heraus. Und als ich mich dann endlich dazu durchringen konnte etwas zu tun, habe ich ihm wohl die inneren Dichtungen weggeätzt. Sein Wasser lief aus allen Ritzen, mit einem kapitalen Puff sind alle Sicherungen geflogen und ich stand im Dunkeln.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Seitdem weiß ich: Auch Essig muss man mit Vorsicht genießen. Ich bin inzwischen auf Zitronensäure umgestiegen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Warum Zitronensäure jetzt besser ist als Essig, ist für mich so verständlich wie die sprichwörtlichen Böhmischen Dörfer. Dabei hatte ich mal Chemie-Leistungskurs. Heute heißt das wohl <i>Chemie auf erhöhtem Niveau</i>.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die Organische Chemie war mein Steckenpferd. Daran erinnere ich mich gut. Sie ist wunderbar logisch und lässt sich kurzerhand errechnen. Irgendwo wandert jedenfalls immer ein Sauerstoffmolekül zum Wasserstoff. Oder ist es umgekehrt? Die beiden haben nämlich eine unglaubliche Anziehungskraft. Danach ist alles wieder im Lot oder wird bunt und machmal macht es eben auch Puff.</p>
<p>Die Wahrheit ist: Ich weiß nichts! Alles ist weg!<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Das Einzige, was noch da ist, ist das Wissen, dass ich Elektrochemie nicht geblickt habe. Und dass ich es nach der ersten Klausur in der Oberstufe mit der Angst zu tun bekam. Mit nur drei Punkten im Leistungskurs besteht man kein Abitur.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>In der Nacht vor meiner schriftlichen Prüfung wurde ich von irgendeinem AC-Minus-Molekül gejagt. In dieser Prüfung habe ich mir &#8211; mit ohne Verständnis, dafür mit viel bulämischem Lernen und einem kleinen entdeckten System, das erstaunlicherweise immer zum richtigen Ergebnis führte &#8211;<span class="Apple-converted-space">  </span>ganze zwölf Punkte erarbeitet.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ziel erreicht.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Cache geleert.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Viele Jahre später fragt mich mein Bruder, wie diese Tafel im Chemieraum noch mal hieß.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>„Kein Plan“, war meine Antwort.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ich flöße schnell noch etwas von der aufgelösten Zitronensäure in mein Bügeleisen. Das muss jetzt erstmal wirken. Glaube ich.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Auch alle anderen verkalkungsgefährdeten Maschinen bekommen noch ein Löffelchen von dem guten Zeugs, vorsichtshalber.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Und dann fühle ich mich aufrichtig produktiv und erstaunlich kompetent. Vielleicht war der Chemie-Leistungskurs doch nicht umsonst. Mein zweiter Dampfautomat lebt noch.</p>

		</div>
	</div>
</div></div></div></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Der perfekte Sitz</title>
		<link>https://www.lenivollmer.de/der-perfekte-sitz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Leni Vollmer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Aug 2022 21:18:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Mein Mann sagt ständig zu mir, ich solle mich anständig hinsetzen. Mit anständig hinsetzen meint er allerdings etwas völlig anderes als ich.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div class="vc_row wpb_row vc_row-fluid wpex-relative"><div class="wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12"><div class="vc_column-inner"><div class="wpb_wrapper">
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			<p>Mein Mann sagt ständig zu mir, ich solle mich anständig hinsetzen. Mit anständig hinsetzen meint er nicht das Gegenteil von unanständig hinsetzen. Ich sitze nicht im Minirock „Basic Instinct“ &#8211; like breitbeinig in irgendwelchen Meetings und verführe zu Gedankenspielen. Das hätte zur Zeit des Home-Offices auch wenig Effekt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Obwohl, Zoom-Meetings eignen sich eigentlich ziemlich gut für geheime Experimente und man könnte gefahrlos über sich hinaus experimentieren. Wie es sich wohl in einem Meeting in einer Spider-Man-Pyjamahose besprechen lässt. Oder für die ganz Verwegenen: Ohne Schlüpper.</p>
<p>Mein unanständiges Sitzen bezieht mein Mann auf meine gesundheitlich bedenkliche Sitzpositionen für Knie und Rücken. Er meint es fürsorglich mit mir. Nicht dass wir uns falsch verstehen. Wir führen eine moderne, gleichberechtigte Ehe mit klassischer Arbeitsteilung.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Er den Müll, ich die Wäsche.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Da pfuscht keiner dem anderen rein. Die Kinder halten sich lieber raus aus der Arbeitsteilung.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Mein Mann beschützt sein Territorium. Er möchte auf keinen Fall wegen irgendwelcher meinerseits initiierter orthopädisch nicht empfohlenen Sitzpositionen hervorgerufenen Zipperlein den Wäscheblock übernehmen müssen. Er kennt meinen Körper besser als ich. Fuß, Rücken und Knie verzeihen mir schlechtes Sitzen auf die Dauer leider nicht.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Zickige Jeans übrigens auch nicht.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Eine hat vorgestern aufgegeben.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Es war ein gemütlicher Abend auf dem Sofa. So gemütlich, dass der eine Fuß dringend unter den Hintern musste. Und dann:<span class="Apple-converted-space">  </span>Dann war der Druck groß.<span class="Apple-converted-space">  </span>Es war eine wunderbare Jeans. Der perfekte Sitz. Die perfekte Farbe. Wieso halten diese Dinger nur zwei Jahre?<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Mein Nachhaltigkeitsgewissen schlägt unmittelbar zu. Was mache ich jetzt mit dieser Jeans? Wegschmeissen geht gar nicht!</p>
<p>Risse in Hosen begleiten mich schon über die Jahrzehnte. In den siebziger Jahren schmückten große rote Cordflicken meine Hosen. Manchmal auch in Braun.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>In den Achzigern ratterte die Nähmaschine unentwegt über gerissene Stoffe. Hautenge Jeans krachten. Weite auch. Löcher wurden zu Mode-Accessoires und mit Tüll und Spitze unterfüttert oder mit einfachem Zickzackstick zusammengehalten. Manche Löcher durften bleiben und gaben sexy Einblicke.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>In den Neunzigern lief ich in Jeans rum, deren Originalstoff quasi nicht mehr vorhanden war. Die Zehen verfingen sich beim Anziehen in stehengebliebenen Kettfäden und im Winter zog es überall kalt rein. Meine Mutter war entsetzt. Aber unversehrte Jeans trugen nur Spießer.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ab den Zweitausenderjahren gab es<span class="Apple-converted-space">  </span>Jeans mit Löchern im Laden zu kaufen. Used-Look. Das Mittelkind wollte sowas. Was für ein Quatsch. Ich kaufe doch keine kaputten Hosen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><span class="Apple-converted-space"> </span>Die alten Zeiten sind wieder da. Die Hosenbünde wachsen bis zur Taille und nennen sich plötzlich High Waist. Die Stoffe werden fester. Der Elastananteil sinkt. Und damit sie nicht so altbacken daher kommen, nennen sie sich Mom-Jeans. Was für ein Quatsch. Aber das nennt sich wohl Kreislauf. Alles in ständiger Wiederholung.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><span class="Apple-converted-space"> </span>Ich sitze also wie immer, so wie meine Kinder es auch nicht sollen. Das ist weder gut für meine<span class="Apple-converted-space">  </span>Knie noch für meine Hosen. Ein schwungvoller Schneidersitz am Esstisch hier und ein unterschobenes Bein auf dem Sofa dort und mein himmelblauer Wegbegleiter kracht.</p>
<p>Die Nähmaschinentechnik beherrsche ich immer noch. Aber dieser Strich über dem Knie sieht sehr einsam aus.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Sollte ich vielleicht noch ein bisschen mit der Schere …</p>

		</div>
	</div>
</div></div></div></div>
</div>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Vogelstrauß-Methode</title>
		<link>https://www.lenivollmer.de/die-vogelstrauss-technik/</link>
					<comments>https://www.lenivollmer.de/die-vogelstrauss-technik/#_comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Leni Vollmer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Jan 2022 12:05:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich probiere erstmal die Vogelstrauß-Perspektive. Die funktioniert mit Wäsche ganz prima, wenn man einen Wäschekeller besitzt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div class="vc_row wpb_row vc_row-fluid wpex-relative"><div class="wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12"><div class="vc_column-inner"><div class="wpb_wrapper">
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			<p>Ein riesiger Berg frischer, trockener, völlig verknüllter Wäsche jeglicher Art überhäuft das Bügelbrett. Es ist kaum möglich, noch mehr Kleidungsstücke oben drauf zu stapeln. Hier und da lösen sich bereits einzelne Socken und stürzen sich kamikaze-mäßig zu Boden. Fraglich, ob sie je ihren Partner wieder finden werden. Sie werden womöglich für immer getrennt sein. Welch Drama.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>So stehe ich also zwei Etagen unter meinen Saboteuren, gucke einigermaßen genervt auf den Stau-Berg und es ergeben sich daraus zwei Möglichkeiten: Ignorieren oder den Dingen ins Augen sehen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ich probiere erstmal die Vogelstrauß Perspektive. Die funktioniert mit Wäsche ganz prima, wenn man einen Wäschekeller besitzt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Beim Wiederauftauchen muss man nicht mal Sand aus den Ohren pulen. Höchstens ein paar Fussel.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Der Ursprung dieses Chaos’ lässt sich eventuell mit einem Mangel an entsprechenden Behältnissen begründen. Gewaschene Wäsche findet zwar theoretisch Abnehmer, aber keine Transportmöglichkeit. Alle Wäschekörbe befinden sich zwei Stockwerke höher beim Nachwuchs. Die Logistik ist fehlerhaft. Die Arbeitskette unterbrochen. Das Transportwesen im Hause ist zusammengebrochen. Das Personal streikt oder hat sich aus dem Staub gemacht.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Hier herrscht so eine Art Wexit &#8211; Wäsche-Exit.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Der Weg nach oben scheint eine Einbahnstraße zu sein. Die Sprösslinge sind überzeugt, dass der Wäscherückweg ausschließlich durch das Fallrohr im Obergeschoss führt. Ein ganzer Korb passt da nun mal nicht durch.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Google Maps liefert auch keine geeignete Route für den Rückweg. Folglich bleiben die Dinger oben, vorzugsweise gefüllt mit ungeliebtem Kram, der auf keinen Fall in die Schränke soll.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Siri ist ratlos. <i>Entschuldigung &#8211; ich habe die Frage nicht verstanden.</i><span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Keine Antwort für das Transportproblem und keine Antwort für die Entsorgung der <i>Unwanted-Things</i>.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Der Standort meines heutigen Berges ist für die Vogelstrauß-Methode sehr geeignet und rückenschonend. Ich muss nur meinen Kopf ein wenig neigen, den oberen Rücken etwas beugen und mich langsam nach vorne sinken lassen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>In meinem Berg ist es angenehm dumpf, weich und &#8211; was soll ich sagen: es ist herrlich. Für empfindliche Nasen empfiehlt es sich, vorher zu prüfen, ob man nicht doch aus Versehen beim Sinkenlassen den Haufen mit dreckiger Wäsche erwischen wird. Diese Gefahr ist bei mir gerade nicht groß. Die schlechten Hügel liegen in der Regel nicht auf, sondern unter dem Brett.</p>
<p>Während ich mich also der Ich-seh-dich-nicht-ich-kenn-dich-nicht-Methode hingebe, dämmert mir, dass ich so nicht weiterkomme. Es ist fast wie mit der Rentenlücke. Alles keine unmittelbaren Probleme, aber ignorieren hilft auch nicht.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Das mit der Rente zum Beispiel. Das ist irgendwie subtil. Das schleicht sich von hinten ganz unbemerkt ins Leben. Zuerst geht es nur die Großeltern etwas an. So vom Alter her. Glaubt man. Glaubt man auch noch, wenn man anfängt diese nervigen Bescheide zu bekommen, die man bestenfalls abheftet. Auf jeden Fall nicht anguckt. Versteht man sowieso nichts.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Deshalb merkt man auch nicht, was die einem so schreiben und dass das wichtig sein könnte. Und wissen will man das alles eigentlich auch nicht wirklich. Man müsste sich dem unbequemen Thema ja dann nähern.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Und irgendwann geht man zufällig an einem x-beliebigen Spiegel vorbei und stellt eine gewisse Ähnlichkeit mit seiner schon längst verstorbenen Großmutter fest.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Spätestens jetzt sollte man sich fragen, ob man eigentlich mit dem Klammerbeutel gepudert ist, das Thema Altersvorsorge nicht schon im Kindergarten als Leistungsfach belegt zu haben. Ich kann Euch nur raten: Macht die Augen auf!</p>
<p>Ich ziehe also seufzend meinen Kopf wieder aus der Wäsche und hole mir die Körbe selbst. Nützt ja nix.</p>

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