In meinem Waschkeller klafft ein Loch. Das ist nicht schön und irgendwie doch.
Wusstest ihr, dass ich reimen kann? Ich nicht. Ist auch nicht wichtig. Denn in Wirklichkeit macht mir das Loch gerade ziemlich schlechte Laune. Ein Loch mitten in der Schaltzentrale ist nicht gut. Mein Leben fühlt sich an, als wäre es wäschetechnisch etwas aus den Fugen geraten. Wie in „Eine Geburtstagstorte für die Katze“ von Pettersson und Findus. Alles, was ich in die Hand nehme, erfordert einen vorherigen Handgriff, der wiederum einen vorherigen Handgriff erfordert, der noch nicht getan ist, und so weiter.
Seit Tagen habe ich meinen ehemaligen Nachbarn im Ohr. Sein Leitspruch: „Mal eben geht nicht.“
Wenn ich also jetzt eine Waschmaschine anstellen möchte, dann geht das nicht mal eben so. Der Waschkeller ist quasi leer. Wer hätte das je gedacht. Außer den Maschinen gibt es nur dieses große Loch in der Wand. Ganz zu schweigen von dem kleinen übereck. Und den anderen.
Wenn ich die schmutzige Wäsche hinunterbringe, weiß ich nicht, wo ich sie sortieren soll. Überall liegt Schutt und Staub. Die Aufbewahrungskörbe stehen mit allem möglichen anderen Krempel im Vorratsraum. Der Krempel müsste erst mal an seinen Platz. Das macht aber keinen Sinn, solange der Maler noch nicht da war. Und solange der Inhalt des Wäschekellers im Vorratsraum steht, mache ich jetzt jedes Mal Hindernislauf, wenn ich Nudeln brauche. Und so geht das von Raum zu Raum. Das eine kann nicht weggeräumt werden, solange der Schrank noch nicht wieder an der Wand hängt. Der kann aber noch nicht ran, weil dahinter noch ein Kabel repariert werden muss. Das wird aber erst repariert, wenn … Und so weiter und so fort.
Wenn ein einziges Loch zu solch einem Chaos führen kann: Wie sieht es dann mit fünf davon aus? Genau so!
Das Loch, das nach draußen in den Garten führt, ist zum Glück inzwischen wieder zu. Und nicht nur mit Gafferband.
Eine Kernbohrung ist komplizierter, als man so denkt. Ein Loch ist eben nicht einfach nur ein Loch. Es besteht irgendwie aus vielen. Es gibt Vorlöcher, Hauptlöcher und Löcher, die man vielleicht hätte bohren sollen, damit das eigentliche Loch dann auch dort sitzt, wo es hinsollte. Ein Probeloch sozusagen. Aber dafür gibt es ja Fachleute.
Unser Kernbohrer war ein besonderes Exemplar. Mit hellrötlich abstehenden Haaren, einem karottigen Teint, einem kurzärmeligen Karohemd und einer roséfarbenen Latzhose hätte er auch ein großes Sams sein können. Er tauchte auch ähnlich spontan auf. Leider hatte er keine Wunschpunkte. Und so hatte ich wenig Einfluss auf seine Anwesenheit.
Löcher bohren geht folgendermaßen: Erst passiert nichts. Man fragt sich schon nervös, ob man mal nachgucken müsste, aber man hat ein wenig Angst, vielleicht ein Löchergebet zu stören oder so. Dann folgt ohrenbetäubendes Gedröhne. Stundenlang. Bis man denkt, man hält es jetzt nicht mehr aus. Und plötzlich: lähmende Stille. Kaum kommt man aus der Deckung und lässt den Gedanken zu, es sei vielleicht geschafft, fängt der Krach wieder an.
Unser Sams bevorzugte Arbeitszeiten so ab 17 Uhr. In der Regel haben wir ihn dann abends rausgeschmissen. Der hätte sonst bis um Mitternacht weitergebohrt. Und immer gab es zwischendurch ein Problem, weshalb er wieder verschwinden musste.
Eins, zwei, drei? Wie wünscht man sich ein Sams ohne Punkte herbei? Mein Reimtalent ist auf jeden Fall ausbaufähig.
Ich habe mir also zwei volle Tage mit Warten und drei weitere Tage mit Warten und Aushalten um die Ohren geschlagen. Dabei sollte der doch einfach nur fünf Löcher bohren.
Wir sind Sonnenanbeter. Also ich mehr als mein Mann. Der bekommt immer so schnell Sonnenbrand. Aber wir werden sie jetzt im Keller aufbewahren. Ihre Energie läuft quasi direkt durch meinen Waschkeller hindurch. Und dafür brauchten wir dieses Loch.